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Abraham-Louis Perrelet

« Erfinder automatischer Taschenuhren »

Abraham-Louis Perrelet war mehr als nur ein talentierter Uhrmacher. Der Schweizer betrieb das Handwerk mit großer Leidenschaft. Schon als Jugendlicher begann er, Werkzeuge für Zeitanzeiger und deren Erschaffer herzustellen. Es folgten knapp acht Jahrzehnte, in denen Perrelet mehrere Erfindungen gelangen, die bis heute enorme Bedeutung für die Uhrmacherkunst haben. Dabei ist vor allem die automatische Taschenuhr zu erwähnen. Grund genug, den Mann in diesem Beitrag näher vorzustellen und ausgiebig zu würdigen!

Die Geburt eines großen Erfinders

Am 9. Januar des Jahres 1729 erblickte Abraham-Louis Perrelet im heutigen Uhrenmekka Le Locle, der Wiege der schweizerischen Uhrmacherei, das Licht der Welt. Er wurde in einen besonders intensiven und langen Winter hineingeboren. Um die Familie in diesen kalten Monaten versorgen zu können, musste sich der Vater der Familie Daniel – eigentlich Landwirt und Zimmermann – i n andere berufliche Gefilde vorwagen. Er versuchte sich als Werkzeugkonstrukteur und fertigte dabei auch einige Elemente, die für Uhrmacher bestimmt waren. Diese „Aushilfsarbeiten“ beschränkten sich nicht auf den einen Winter. Vielmehr wurden sie in den Folgejahren immer wieder getätigt, wenn es die Umstände verlangten. Das Schicksal für Abraham-Louis´ Werdegang begann, Formen anzunehmen.

Abraham-Louis Perrelet (1729-1826)
@wikipedia – Karel K.

Ein realisierter Berufswunsch

Angesichts des familiären Hintergrunds verwundert es nicht, dass Abraham-Louis früh anfing, sich mit der Kreation von Werkzeugen zu beschäftigen. In seiner Jugend unternahm er die ersten Versuche, seinen Berufswunsch zu realisieren: Perrelet wollte von Anfang an Uhrmacher werden – und das schaffte er mit Bravour. Die Kunst, technische Bestandteile für funktionstüchtige Zeitanzeiger zu kreieren, war für den jungen Mann nicht nur ein Beruf, sondern Berufung und Leidenschaft. Dank seiner enormen Begeisterung und den ihm gegebenen geistig-handwerklichen Fähigkeiten konnte Perrelet im Laufe seines Lebens Hervorragendes leisten.

Bedeutsame Entwicklungen für die Uhrmacherei

Perrelets Fokus lag darauf, neue Funktionsweisen zu entwickeln, um die technischen Eigenschaften von Zeitanzeigern zu verbessern. Er war der erste Uhrmacher in Le Locle, der es vermochte, Uhren mit Zylindergang und Duplexhemmung sowie mit Zeitgleichung und Ewigem Kalender herzustellen. Darüber hinaus schuf er das Rohwerk, im Fachjargon Ebauche genannt und perfektionierte diverse Elemente von Uhren – beispielsweise das Räderwerk, das Trieb (veraltet auch Ritzel) und die Zahnräder.

Hervorzuheben ist jedoch, dass Abraham-Louis als Erfinder der automatischen Taschenuhr gilt.

Zwar wird in diesem Zusammenhang häufig auch der Name Hubert Sarton erwähnt. Doch es gibt mehrere geschichtliche Anhaltspunkte dafür, dass die Urheberschaft Perrelet zuzuschreiben ist. Sarton, ein Uhrmacher aus Lüttich, befasste sich ebenfalls mit dem automatischen Aufzug. Seine Erfindung wurde allerdings erst am 23. Dezember 1778 publik gemacht, während Perrelets Innovation bereits am 11. Juni 1777 an die Öffentlichkeit kam.

Horace-Benedict de Saussure
@wikipedia – Ambroise Tardieu | Woudloper

Die Rolle von Horace-Bénédict de Saussure

Eine wesentliche Rolle spielte dabei ein gewisser Horace-Bénédict de Saussure. Der bekannte Physiker und Naturforscher unternahm im Jahr 1777 eine Forschungsreise nach Neuchâtel (Schweizer Kanton Neuenburg, in dem Le Locle liegt), um Uhrmacher und Uhrenfabriken zu besuchen und sich einen Überblick über die technischen Entwicklungen zu verschaffen.

Auch Perrelets Arbeiten nahm der Mitgründer der Société des Arts de Genève (Gesellschaft der Künste von Genf) unter die Lupe.

Nach seiner Erkundungstour informierte er den Ausschuss der Gesellschaft darüber, dass ein Uhrmacher namens Abraham-Louis Perrelet eine automatische Taschenuhr konstruiert habe, die sich durch die Schrittbewegungen ihres Trägers von selbst aufziehe und in der Folge acht Tage lang nicht stehen bleibe.

Anfängliche Schwierigkeiten wurden bald gelöst

Hier einige Auszüge aus dem Nachlass von Professors de Saussure.

Er schreibt zu Perrelets Erfindung:

„Ich komme gerade von Herrn Perrelet, Erfinder einer Uhr, die sich allein durch die Bewegungen ihres Trägers aufzieht… Er musste die erste Uhr so umkonstruieren, dass der Aufzugsmechanismus die Feder nicht überlastet und dadurch beschädigt. So war zum Beispiel die Uhr eines Mannes durch die heftigen Bewegungen kaputt gegangen, als dieser zur Post rannte. Der Uhrmacher aus Le Locle entwickelte eine mechanische Trennung von Aufzugsmechanismus und -feder, ein Vorhaben, das sich alles andere als einfach herausstellte, aber zur Zufriedenheit gelöst werden konnte.“

Die anfänglichen Schwierigkeiten, die nahezu jede größere Erfindung mit sich bringt und auch beim automatischen Aufzugsmechanismus nicht ausblieben, überwand Perrelet also in Eigenregie. Heute lässt sich festhalten, dass die Erzeugnisse des Schweizer Uhrmachers auch einen wesentlichen Teil zur mittlerweile so selbstverständlich anmutenden Existenz mechanisch-automatischer Armbanduhren beitrugen.

Status in der damaligen Uhrenbranche

Schon in jungen Jahren genoss Perrelet großes Ansehen innerhalb der Uhrenbranche und wurde häufig um Rat gefragt. Tatsächlich gehörte er zu den meistbesuchten Uhrmachermeistern seiner Zeit. Sein bekannter Namensvetter Abraham-Louis Breguet war Stammgast bei ihm. Auch Perrelets Enkel Louis-Frédéric ging in Großvaters Werkstatt ein und aus, um die Kunst der Uhrmacherei zu lernen – mit Erfolg: Der „kleine“ Perrelet wurde 1823 Hofuhrmacher der französischen Könige und erhielt 1827 das Patent für einen Schleppzeigermechanismus, den Abraham-Louis einst erfand. Ein Jahr vor diesem Ereignis starb Letzterer dort, wo er knapp ein Jahrhundert zuvor geboren war. Dies sagt viel über das Leben Perrelets aus: Der Uhrmacher verbrachte es im Kreise seiner Familie, eng verbunden mit seinem Heimatort und seinen Wurzeln.

Hermann Jaeckle Tuebingen Quarz Taschenuhr mit Datumsanzeige inklusive Kette und BoxEin Blick auf moderne Taschenuhren

Durch Perrelets Erfindungen erreichten Taschenuhren ein neues Level, wurden vielfältiger und innovativer. Betrachtet man moderne Ausführungen, zeigt sich aber erstaunlicherweise, dass die meisten davon mit der ursprünglichen Technik, nämlich dem Handaufzug, ausgestattet sind.

Dies liegt vor allem daran, dass Taschenuhren bei Retro-Liebhabern hoch im Kurs stehen, deren Vintage-Feeling mit der Präferenz der quasi noch „originaleren“ Handaufzugsuhren einhergeht. Daran orientieren sich die aktuell angesagten Hersteller von Zeitanzeigern für die Hosentasche.

Hermann Jäckle Taschenuhren

Unter den durchweg edlen Hermann Jäckle Taschenuhren ragt das Modell Calw mit skelettiertem Zifferblatt zweifelsohne heraus. Das Design der Uhr mit dem hochwertig verchromten Messinggehäuse ist sehr klassisch und elegant gehalten – mit römischen und arabischen Ziffern sowie gebläuten Zeigern. Zu den Highlights der Ausführung zählen die Zweite Zeitzone bei der 12-Uhr-, die Mondanzeige bei der 6-Uhr- und die Kleine Sekunde bei der 9-Uhr-Position. Trotz der vielen Funktionen ist die Taschenuhr mit Handaufzug übersichtlich gestaltet.

Hermann Jaeckle Calw Skelett Taschenuhr mit Handaufzug inklusive Kette und Box

Eine nicht weniger stilvolle Alternative innerhalb der Hermann Jäckle Taschenuhren bildet das Modell Bayreuth, dessen Messinggehäuse IP-vergoldet erscheint. Es verzichtet auf die zahlreichen Features der Calw-Variante und fokussiert ganz auf die traditionelle Anzeige der Zeit. Durch das skelettierte Zifferblatt kann man dem mechanischen Uhrwerk, das wiederum per Handaufzug in Schwung gebracht wird, bei seinem Treiben zusehen.

Hermann Jaeckle Bayreuth Skelett Taschenuhr vergoldet mit Handaufzug inklusive Kette und Box

Ein Leben für die Uhrmacherkunst

Abraham-Louis Perrelets Leben galt der Horologie. Fast 80 Jahre lang widmete er sich diesem bis heute so faszinierenden Beruf, der Kunst und Technik in einem ist. Noch als 95-Jähriger konnte er seiner Leidenschaft nicht entkommen. In diesem fortgeschrittenen Alter baute er seine letzte Taschenuhr. Die bedeutendste Erfindung des Uhrenpioniers war und ist aber sicherlich der automatische Aufzugsmechanismus für Taschenuhren, dessen Basis in ähnlicher Form noch heute verwendet wird. Wenn auch vornehmlich bei Armbanduhren.