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Die ersten Fliegeruhren der Welt

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Auf den Punkt genau, unverkennbar und mit abenteuerlustiger Ausstrahlung umgeben: Was um 1900 begann, später Herren und Armbanduhren zusammenbrachte sowie immer wieder Meilensteine der Luftfahrt markierte, ist im 21. Jahrhundert als moderne Fliegeruhr unter den beliebtesten Designs hochwertiger Zeitanzeiger angekommen. Pilotenuhren schreiben und erzählen ein Stück Zeitgeschichte.

Vom Verfliegen der Zeit – die Geschichte einer Armbanduhr

Der Traum vom Fliegen ist mindestens so tief im Menschen verankert wie sein Zeitgefühl. Nicht von ungefähr gehören sowohl die Luftfahrt als auch die Definition, Messung und Anzeige der Zeit zu den größten Leistungen der Menschheit. Eine Kombination beider Themengebiete, wie sie die Fliegeruhr eindrucksvoll verkörpert, scheint da nur ein folgerichtiger weiterer Schritt. Spätestens im 21. Jahrhundert gehören Zeit und Flug – beziehungsweise Uhren und Luftfahrt – untrennbar zusammen. Der Weg dorthin war so turbulent wie bei kaum einer anderen Gattung von Zeitanzeigern. Pilotenuhren feiern 2016 ihr 112-jähriges Jubiläum.

Alles begann mit den ersten Flugversuchen der Brüder Orville und Wilbur Wright im Jahre 1903. Die Pioniere der Technik sollten kurze Zeit später zum ersten Mal mit Motorkraft fliegen. In ihren selbstgebauten Flugmaschinen überquerten die Nordamerikaner die Sanddünen von Kitty Hawk in North Carolina, während ein Jahr später ein Brasilianer das Steuer übernahm.

Der später gern als „Vater der Luftfahrt“ gepriesene Alberto Santos Dumont absolvierte 1906 den ersten Motorflug in einem Flugzeug. Schon zwei Jahre vorher verärgerte ihn jedoch ein entscheidendes Detail in den bisherigen Fortschritten bei der Eroberung der Lüfte: Wie sollten herkömmliche Taschenuhren während eines Fluges ablesbar sein? Schier unmöglich!

Von Santos Dumont zu Cartier: die erste Fliegeruhr entsteht

In Paris, seinem hauptsächlichen Schaffensort, fand der Sohn eines französischen Vaters die Lösung seines Dilemmas – und die hieß Cartier. Seinem Juwelier Louis-François-Alfred Cartier trug Santos Dumont die Herstellung einer für seine Belange geeigneten Armbanduhr auf. Das traf sich in doppelter Hinsicht vorzüglich: Nicht nur brillierte das Traditionsunternehmen schon zu dieser Zeit mit Erzeugnissen der Extraklasse, die Cartier unter anderem zum Hoflieferanten der königlichen Familie auszeichneten. Auch das leidenschaftliche Interesse am Erschaffen für das Handgelenk tauglicher Uhren war im Sohn des Unternehmensgründers bereits weit vor der Jahrhundertwende entbrannt.

@wikipedia – Noop1958
@wikipedia – Noop1958

Das Zusammentreffen von Luxusjuwelier und Flugpionier gipfelte im Jahr 1904 in der „Cartier Santos“ – der ersten Fliegeruhr der Welt, die gleichermaßen auch die erste Armbanduhr für Männer darstellte. Zudem war sie die erste Uhr für das Handgelenk mit Lederarmband.

Dieses Armband ist aber auch fast das einzige, was das Urmodell der Pilotenuhren mit dem in den folgenden Jahrzehnten typisch gewordenen Design einer Fliegeruhr verbindet. Denn tatsächlich besaß die Cartier-Santos noch ein Zifferblatt mit römischen Zahlen im quadratischen Gehäuse mit Saphir-Cabochon-Krone. Die modernen Nachfolger der heute unerschwinglichen Ur-Santos behalten diese unverkennbare Gestaltung noch immer bei.

Armbanduhren für Männer

Neben ihrem Nutzen für den Beginn der Luftfahrt und dem Einsatz im bald beginnenden Kriegsgeschehen, vollbrachten die ersten – der Santos folgenden – Pilotenuhren vor allem eine historische Leistung: Mit ihnen wurde die bisher als typisch weiblicher Schmuck angesehene Armbanduhr auch für Männer tragbar. Bis heute versprühen die Zeitanzeiger im Flieger-Design einen Hauch von Abenteuerlust und männlicher Unerschrockenheit.

Die Machart grenzte sich entscheidend von femininer Zierde ab: So prägte betonte Schmucklosigkeit jede Fliegeruhr. Stoßfest und robust sollte sie sein und über möglichst lange Armbänder verfügen, mithilfe derer sie auch über der obligatorischen Fliegerjacke getragen werden konnte. Genaue mechanische Uhrwerke und ein sehr kontrastreiches Zifferblatt – meist Weiß auf Schwarz – gehörten ebenso zwingend dazu, wie eine durch selbstleuchtende Zeiger und Indizes gewährleistete problemlose Ablesbarkeit bei Nacht.

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Ein auffälliges Dreieck auf der 12-Uhr-Position unterstützte diesen Effekt. Außerdem typisch in der damaligen Konstruktion von Pilotenuhren: eine gesonderte Minutenanzeige neben dem Stundenring, ein Tachymeter zur leichteren Geschwindigkeitsberechnung sowie eine extragroße Krone, die das Aufziehen und Verstellen auch mit Handschuhen erlaubte.

Pilotenuhren und ihr zweifelhafter Kriegseinsatz

So viel zur Wirkung der ersten Fliegeruhr und ihren Nachfolgern. Aber wie ging es geschichtlich mit ihr weiter? Den meisten Uhrenfreunden sind die Pilotenmodelle im kriegerischen Zusammenhang verhaftet. Tatsächlich übernahmen allerdings bereits nach dem Ersten Weltkrieg fest installierte Borduhren die Aufgaben der Armbanduhr, die zu dieser Zeit nur noch für individuelle Zwecke einzelner Besatzungsmitglieder zum Einsatz kam. Aber der Reihe nach. Auf die Cartier Santos folgte ein weiterer Meilenstein der Luftfahrtgeschichte: die Überquerung des Ärmelkanals 1909 – durch den Franzosen Louis Blériot. Ihn begleitete eine Fliegeruhr, und zwar eine Zenith, die den Flugpionier derart begeisterte, dass er den Einbau von Modellen des Typs Zenith Montre d’Aéronef Type 20 in die Armaturenbretter französischer Maschinen erwirkte.

Im bald darauf einsetzenden Ersten Weltkrieg übernahmen die einst verschmähten Taschenuhren erneut das Cockpit, denn nun stand Genauigkeit noch vor dem Komfort an erster Stelle. Erstaunlicherweise erlebte die am Armband getragene Fliegeruhr gerade zwischen den beiden Kriegen ihre Hochzeit in einem breiten Spektrum von Einsatzmöglichkeiten inmitten von Schädlingsbekämpfung, Flugpost und Kunstfliegen: Aus dieser Disziplin, die in die Überquerung des Atlantiks mündete, ging 1931 mit der Longines Lindbergh eine der bedeutendsten Pilotenuhren aller Zeiten hervor. Mit den Gräueln des Zweiten Weltkrieges brach die Zeit der Beobachtungsuhr an. Trotz ihrer düsteren Vergangenheit gilt die sogenannte B-Uhr noch immer als eine der funktionstüchtigsten Uhren-Kreationen überhaupt.

Große Leuchtzeiger und zuverlässiges Taschenuhrwerk von 55 mm Durchmesser charakterisieren das Modell, das als Vorbild für moderne Fliegeruhren angesehen wird.

torgoen-swiss-made-damen-fliegeruhr-t05502Moderne Modelle Relikt der Verwirklichung des Unmöglichen

Trotz DIN-Norm für die Ausstattung einer echten Fliegeruhr, wenden sich die Modelle des 21. Jahrhunderts natürlich längst nicht mehr (allein) an Piloten. Noch immer soll ein entsprechender Zeitanzeiger robust und sowohl am Tag als auch nachts leicht ablesbar sein, sowie eine gewisse Immunität gegen äußere Einflüsse aufweisen.

Mittlerweile glänzen viele Modell aber neben anspruchsvoller Funktionalität vor allem mit ihrem Aussehen. Dieses erinnert ein wenig an vergangene Zeiten und deren abenteuerlustige Entdeckerfreude. Während das Uhrengenre einst den Herren den Weg zur Armbanduhr erschloss, spricht das starke und selbstsichere Design heutzutage moderne Damen mindestens ebenso an.

junkers-tante-ju-fliegeruhr-6848-2Alle der auf Pilotenuhren spezialisierten Hersteller wie Torgoen, Junkers oder Aeromatic 1912 begeistern regelmäßig mit anspruchsvollen Kollektionen für selbstbewusste Damen.

Neben vielseitigen Unisex-Uhren versah das „Swiss Made“-Label Torgoen die Fliegeruhr in seinen „Ladies T05“ Editionen mit unverkennbar femininen Attributen: Sie sind kleiner, überfordern auch zarte Handgelenke nicht und sorgen mit speziellen Verzierungen und einer entsprechenden Farbwahl für den passenden Hauch Weiblichkeit.

Im Alltag liegt der Charme von Damen- wie Herren-Fliegeruhren in ihrer besonderen Praktikabilität: Gute Ablesbarkeit, Leuchtmasse, Kalender und hundertprozentig zuverlässiges mechanisches Uhrwerk gehören ebenso oft zur Ausstattung wie die angenehme Haptik des typischen Lederarmbandes. Jenseits der traditionellen Konzeption ist die moderne Fliegeruhr so vielseitig wie nie. Während das deutsche Unternahmen Aeromatic 1912 mit Modellen im beliebten Retro-Design begeistert, schafft die niederländische oozoo-steel-xxl-herrenuhr-fliegeruhr-os0029Marke Oozoo die Kombination von Vergangenheit und Moderne, verkörpert in preiswerten modernen Designs mit Quarzwerk, die dennoch nicht auf Vintage-Anklänge verzichten.

Als komfortabel nutzbare Symbole des technischen Fortschritts fungieren auch moderne Pilotenuhren, wie beispielsweise die Labels Junkers oder Zeppelin zeigen: Beide erschaffen renommierte Uhrenkunst „Made in Germany“. Die variantenreichen Zeppelin-Kollektionen erinnern allesamt an die Ära des Luftschiffes – also dem Zeitenumbruch der Jahrhundertwende. Der Name Junkers geht natürlich auf keinen geringeren zurück als auf Professor Hugo Junkers – den Pionier der deutschen Luftfahrt – dem die Marke zum 150. Jubiläum eine eigene Serie exklusiver Zeitanzeiger widmete.

Die Fliegeruhr geht mit der Zeit

zeppelin-graf-zeppelin-chronograph-fliegeruhr-7684-5-lz127Wie die meisten Arten von Zeitanzeigern sind auch Pilotenuhren für den Großteil ihrer Träger mittlerweile vor allem modische Accessoires. Dieser Entwicklung passt sich auch das Uhrwerk an – neben traditionell mechanischen Ausführungen kommen und gehen zahlreiche Modelle der spezialisierten Hersteller wie Zeppelin oder Chotovelli mittlerweile mit solidem Quarz-Werk.

Während die Präferenz von Quarzoszillator oder Unruh eine Frage des Geschmacks bleibt, liefern moderne Fliegeruhren damals wie heute perfekte Funktionalität in unverkennbarer Optik. Die facettenreichen Hersteller bieten absolute Vielseitigkeit, sowohl in der preislichen als auch der visuellen Gestaltung.