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Diese Markenuhren überlebten die Quarzkrise

« Sie traf das Schweizer Traditions- und Kulturgefühl mitten ins Herz. Viele Unternehmen mussten aufgeben, die Zahl der in der nationalen Uhrenbranche Beschäftigten sank massiv. Und letzten Endes stürzte sich die Schweizer Uhrenindustrie selbst in das, was die NZZ – kurz für Neue Zürcher Zeitung – als „Quarzkrise“ deklarierte. Nichtsdestotrotz gab und gibt es Hersteller namhafter Markenuhren, denen es mittels raffinierter oder schlichtweg authentischer Taktiken und Strategien gelang, die Quarzuhrrevolution zu überleben. »

Über Schuld und Leid der Schweizer Uhrenindustrie

Zwar betraf die Quarzkrise auch die Amerikaner. Im Mittelpunkt stand jedoch die europäische, genauer gesagt die Schweizer Uhrenindustrie. Schließlich war sie es, die vor dem niederschmetternden Quarzboom über ein Jahrhundert lang das Marktgeschehen bestimmte, die Branche dominierte. So verwundert es nicht, dass ab den 1970ern bis zur Mitte der 1980er-Jahre die ganze Welt mit größtem Interesse auf die Schweiz und die Entwicklung ihres industriellen Aushängeschildes blickte. Doch wie genau gestaltete sie sich, diese Entwicklung?

Der Anfang vom Ende – beinahe…

Eigentlich begann alles wie gewünscht. In den 1960er-Jahren gründeten mehrere Schweizer Unternehmen in Neuchâtel das Centre Électronique Horloger (CEH) – mit dem selbst erklärten Ziel, ein „Uhrwerk der Zukunft“ hervorzubringen. Einige schlaue Köpfe und 30 Millionen Franken Entwicklungskosten sorgten für die Kreation des Quarzkalibers Beta 21. Bezüglich Genauigkeit gab es nichts zu beanstanden. Doch die Empfindlichkeit des Uhrwerkes machte den Verantwortlichen zu schaffen – ebenso wie die Komplexität, die einer Serienproduktion im Weg stand. Doch dann begingen die Schweizer einen fatalen Fehler: Statt an Lösungen für diese Probleme ihres vielversprechenden Quarzkalibers zu arbeiten, widmeten sie sich lieber der Perfektionierung von bereits überzeugenden Charakteristika: der Präzision und der Miniaturisierung.

Seikos Siegeszug…

@wikipedia – Deutsches Uhrenmuseum (Museumsfoto) / Ras67 / Onnahfarg
@wikipedia – Deutsches Uhrenmuseum (Museumsfoto) / Ras67 / Onnahfarg

In der Zwischenzeit tüftelten tausende Kilometer weiter östlich japanische Uhrenexperten an dem, was zu Weihnachten 1969 der Weltöffentlichkeit voller Stolz präsentiert wurde: die erste serienmäßig herstellbare Quarzarmbanduhr. „Astron“ hieß das gute Stück, das Tsuneya Nakamura und seine Firma Seiko dem Uhrenmarkt schenkten. Bald nach der Vorstellung des Modells war die Produktion automatisiert. Und kostete die Neuheit anfangs noch so viel wie ein Kleinwagen, musste man kurze Zeit später nur mehr eine Handvoll Yen investieren, um in den Besitz einer ganggenauen Quarzarmbanduhr zu gelangen.

Schweizer Zögern und Zaudern…

Die Schweizer ließ das Treiben der Japaner lange kalt – zu lange. Sie dachten gar nicht daran, den frisch erwachten Trend ernst zu nehmen. Dies hatte nicht zuletzt den Grund, dass die Eidgenossen bis 1971 auch mit ihren traditionellen Zeitanzeigern weiterhin hohe Profite erwirtschafteten. Insofern gab es scheinbar keine Notwendigkeit, irgendetwas zu ändern – die Betonung liegt allerdings auf „scheinbar“. Denn entgegen der Ansicht der Schweizer, Quarzuhren seien dem Massenmarkt nicht gewachsen, eroberten die elektronischen Genauigkeitswunder rasch den gesamten Globus.

Japans Uhrenindustrie auf dem Vormarsch…

Seiko initiierte die Massenfertigung von präzisen und preiswerten Armbanduhren mit Quarzwerk und verschaffte der japanischen Uhrenindustrie durch diese konsequente Ausrichtung der Firmenpolitik einen Vorsprung von mehreren Jahren gegenüber der Konkurrenz aus Amerika und Europa, gegenüber dem bis dato regierenden Branchenprimus Schweiz. Zahlreiche Unternehmen gingen daran zu Grunde. Zudem reduzierte die Quarzkrise die Zahl der Beschäftigten in der Schweizer Uhrenindustrie innerhalb eines Jahrzehntes von ungefähr 90.000 auf etwa 30.000. Auch die Anzahl der Betriebe sank gewaltig: von 1.600 auf circa 600.

© gitanna / Fotolia.com
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Folgen für Europa und Amerika…

In anderen Kleinuhren produzierenden Ländern – etwa Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten – verschwand die Fertigung von Uhrwerken für Armbanduhren in den 1970ern und 1980ern fast vollständig. Unter den US-amerikanischen Uhrenherstellern gelang es einzig und allein Timex, die Quarzkrise zu überstehen.

Timex als Sinnbild der Überlebenden der Quarzkrise

Die Wurzeln von Timex reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück: 1854 wurde das Unternehmen als Waterbury Clock gegründet. Zur Umbenennung in Timex kam es knapp ein Jahrhundert später – im Zuge der Präsentation einer gleichnamigen Armbanduhr, deren Verkauf zwischen 1950 und 1980 durch spektakuläre Werbespots und populäre Werbeträger auf über eine Milliarde Exemplare gesteigert werden konnte. Während der Quarzkrise hielt sich Timex mit einem auf das Computergeschäft gerichteten Fokus über Wasser, um danach wieder die Uhrenproduktion – mit einer relativ zügigen Umstellung auf Quarz – in den Mittelpunkt zu rücken. Heute zählt das Unternehmen zu den erfolgreichsten Uhrenmarken der Welt. Zur Herstellung der modernen Zeitanzeiger für das Handgelenk – übrigens gibt es von der Firma gegenwärtig sowohl Quarz- als auch mechanische Automatikuhren – verwendet Timex überwiegend eigene Uhrwerke.

Robuste Quarzuhren von Timex…

Timex-Markenuhren repräsentieren den Kampfgeist, den das Unternehmen an den Tag legte, als es darauf ankam – als die japanischen Quarzuhren die Branche revolutionierten. Sie sind außerordentlich robust und durch (fast) nichts aus dem Takt zu bringen.

Timex IQ Yacht Racer Herren Chronograph TW2P44400Exemplarisch wollen wir zwei Modelle des Labels kurz vorstellen: den sportlichen IQ Yacht Racer Herren Chronograph TW2P44400 und die edle Classic Women´s Starlight Damenuhr T2P550. Letztere zeichnet sich durch das klassisch-schlichte Zifferblatt in Silber mit goldenen Indizes und Zeigern sowie das ebenfalls in Gold Timex Classic Womens Starlight Damenuhr T2P550gehaltene Edelstahlarmband mit Clipschließe aus. Für das gewisse Etwas sorgt die mit Swarovski-Elementen besetzte Lünette. Wie die Damenuhr beherbergt auch das angesprochene Herrenmodell ein funktionstüchtiges Quarzwerk. Der Chronograph kombiniert die sportive Gestaltung des Zifferblattes mit sechs Zeigern, das schwarze Silikonarmband mit Dornschließe und das elegant angehauchte Edelstahlgehäuse in Roségold zu einem spektakulären Ganzen.

Luxus blieb – und bleibt – Luxus

Timex überstand die Quarzkrise also durch geschicktes, rasches Handeln und den gelungenen Einstieg ins Marktsegment der Quarzuhren. In der hart be- und getroffenen Schweiz vermochten es allein die stärksten Luxushersteller, ihre Position zu behaupten: Ob Rolex, Girard-Perregaux, Patek Philippe oder Audemars Piguet – sie alle blieben ihren traditionellen Werten treu.

Das heißt, sie fokussierten weiterhin die Kreation erstklassiger Handaufzugs- und Automatikuhren – und erhielten sich auf diese Weise jene Kunden, für die das Prädikat „Swiss Made“ mehr galt als die neuere Technik. Ab 1990 wurden mechanische Uhren generell wieder häufiger ver- und gekauft – der große Quarzboom fand sein Ende. Seither gibt es in der Schweiz – wie auch in anderen Ländern – viele neuere Unternehmen, die sich auf die Fertigung exzellenter Automatikuhren (neben hervorragenden Zeitanzeigern mit Quarzwerk) spezialisieren.

Moderne Automatikuhren aus der Schweiz und Deutschland…

Beispiele für moderne Schweizer Markenuhren mit mechanischem Automatikuhrwerk sind die Zeitanzeiger von Candino, wie etwa die C4494-3 Swiss Made Herren Automatikuhr mit klassischem Edelstahlgehäuse, silberfarbenem Zifferblatt und schwarzem Lederarmband mit Krokoprägung.

Candino Swiss Made Herren Automatikuhr C4494-3 Zeppelin Flatline Automatik Fliegeruhr mit offenem Herz 7364-5 Kronsegler Oxford Masters Herren Automatikuhr Limited Edition stahl-bronze

Auch renommierte deutsche Marken mit Tradition, zu denen Zeppelin und Kronsegler zählen, kreieren exzellente Automatikuhren, die Ursprüngliches mit Modernem verschmelzen: Die Zeppelin Flatline Automatik Fliegeruhr 7364-5 beispielsweise glänzt durch ihr offenes Herz, das dem Betrachter einen Einblick in das Innerste des klassischen Zeitanzeigers erlaubt. Als Bestandteil der beeindruckenden Kronsegler Oxford Masters Kollektion sei das Modell KS705Hst-broOW erwähnt, das viele interessante Details aufweist, etwa die mit dem Wappen des Unternehmens kannelierte Krone oder die Teilskelettierung der Gehäuserückseite.

Friedliche Koexistenz

In den 1970er- und 1980er-Jahren kam die Uhrenbranche doch gehörig aus dem Takt. Insbesondere die Schweizer hatten verheerende Verluste zu beklagen – finanziell und in der Folge die Anzahl der Betriebe und in der Branche Beschäftigten betreffend.

Doch auch in anderen europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten blieb die Zeit (nicht) stehen: Die Produktion von Armbanduhren beziehungsweise Uhrwerken wurde vielerorts (vorübergehend) auf Eis gelegt, zu überraschend und überwältigend war der Vor- und Durchmarsch der elektronischen Quarzuhr, die von den Japanern zur Serienreife geführt wurde.

Nichtsdestotrotz überlebten einige Hersteller – Timex durch die erfolgreiche Umstellung auf Quarz, Luxusmarken durch die Forcierung ihrer traditionellen Werte. Und heute existieren Quarz-, Handaufzugs- und Automatikuhren nebeneinander. Sie tun es geradezu friedlich, da die verschiedenen Firmen wissen, mit den jeweiligen Zeitanzeigern unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen. So bildet die Quarzkrise inzwischen nicht mehr, aber natürlich auch nicht weniger als ein faszinierendes historisches Ereignis innerhalb des großen Uhrenuniversums.