Startseite | Technik & Genres | Die Erfindung des Chronographen

Die Erfindung des Chronographen

« Unter Uhrenliebhabern umstritten »

Wer hat ihn denn nun wirklich ins Leben gerufen, den Chronographen? War es George Graham, Adolphe Nicole, Henri Féréol Piguet oder doch ein ganz anderer Tüftler? Eine klare Antwort auf die Frage nach dem Erfinder des „Zeitschreibers“ gibt es nicht – zu uneinig sind sich Uhrenexperten und -liebhaber darüber, wer den wahren Schöpfer des beliebten Uhrengenres verkörperte. In diesem Beitrag wollen wir Ihnen die ereignisreiche, ja mitunter turbulente Geschichte des modernen Chronographen erzählen und etwas mehr Licht ins Dunkel bringen.

Namen über Namen – doch kein eindeutiger Erfinder

Wenn es darum geht, den Erfinder des Chronographen zu benennen, hört und liest man oft den Namen Adolphe Nicole. Der Franzose, seinerzeit Eigentümer der Firma Nicole et Capt, ließ das „Nullstellherz“ – eine herzförmige Scheibe, die gemeinsam mit dem Zeiger auf einer Welle des Sekundenrads befestigt war und mittels Knopfdruck die Rückstellung des Zeigers auf Null gestattete – 1862 patentieren. Im selben Jahr wurde die erste voll als Chronograph taugliche Taschenuhr (mit ebendiesem Nullstellherz) der Weltöffentlichkeit präsentiert – allerdings nicht durch Herrn Nicole, sondern seinen Mitarbeiter: Henri Féréol Piguet, der das Nullstellherz überhaupt erfand. Dieser Schritt ereignete sich bereits 1844.

kronsegler-deutsche-baumeister-automatik-chronograph-gottfried-semper-ks901go-wei

Übrigens gab es dank des Genfer Uhrmachers Jean Moïse Pouzait schon im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts Taschenuhren, die einen Sekundenzeiger aufwiesen, der gestoppt werden konnte. Allerdings hatten diese Modelle den Nachteil, dass beim Stoppen nicht nur der Sekundenzeiger, sondern darüber hinaus auch das ganze Uhrwerk innehielt.

Insofern musste man beim Stoppen von Zwischenzeiten jenen Zeitraum, in dem die jeweilige Uhr angehalten war, zur Endzeit addieren, um die aktuelle Uhrzeit neuerlich bestimmen zu können.

@wikipedia – Jackyyick
@wikipedia – Jackyyick

Und was ist mit George Graham?

Wir springen noch einmal ein Stück weiter zurück in die Vergangenheit. Denn schon 1720 baute ein englischer Uhrentüftler namens George Graham ein Gerät, mit dem man ein Ereignis auf eine Sechzehntelsekunde abzuschätzen vermochte. Natürlich handelte es sich dabei noch nicht um einen funktionstüchtigen Chronographen, wie wir ihn heute gewohnt sind. Doch man muss sich die Zeit vergegenwärtigen, zu der Graham sein Unwesen trieb. So gelangt man schnell zu der Ansicht, dass die Entwicklung einen wertvollen Schritt hin zu dem darstellte, was wir in unserer modernen Welt gerne am Handgelenk spazieren führen und bei den verschiedensten Aktivitäten (vor allem sportlicher Natur) einsetzen – auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg war.

Von Tücken sowie „richtigen“ und „falschen“ Zeitschreibern

Die bisher beschriebenen Vorboten weisen also allesamt Tücken auf. Nichtsdestotrotz fungieren die Modelle von Graham, Pouzait und Piguet (in Zusammenarbeit mit Nicole) als bedeutende Meilensteine in der Uhrenhistorie im Allgemeinen und Zeitschreibergeschichte im Speziellen. Drei wichtige Namen in Bezug auf die Anfänge der hier behandelten Uhrengattung fehlen uns allerdings noch: Nicolas Mathieu Rieussec, Joseph Thaddäus Winnerl und – häufig vergessen – Louis Moinet.

Rieussec und sein „richtiger“ Chronograph

Kommen wir zunächst zu Rieussec: Der einstige französische Uhrmacher prägte den Begriff „Chronograph“ nach der Meinung vieler Experten am stärksten. Im Jahr 1821 entwickelte er eine Ausführung, auf deren Zifferblatt ein kleiner Schreiber saß. Während sich die Zeiger drehten, „notierte“ besagter Schreiber mithilfe eines winzigen Tintenbehälters die gemessenen Zeiten gut sichtbar in kleinen und großen Strichen.

Seine Erfindung meldete Rieussec 1822 zum Patent an. Er gilt als Erfinder des „richtigen“ Chronographen. Demgegenüber betitelt man Piguets Modell heute als „falschen“ Zeitschreiber.

Winnerl und seine bahnbrechenden Erfolge

@watch-wiki – B. Luis / Andriessen
@watch-wiki – B. Luis / Andriessen

Dem talentierten österreichischen Uhrmacher Winnerl gelang 1831 eine wesentliche Optimierung des 1776 von Pouzait gefertigten Modells: Er erfand einen Zeitschreiber, dessen Sekundenzeiger separat angehalten werden konnte – ohne, dass dabei auch gleich das gesamte Uhrwerk seinen Betrieb einstellte. Durch diese kleine, aber entscheidende Verfeinerung des bereits zuvor existierenden Systems konstruierte Winnerl eine Uhr, die dem Chronographen der Gegenwart schon deutlich näher kam als alles, was bis dahin gebaut wurde. Und der Weltenbummler (er war unter anderem in Norddeutschland, Kopenhagen und Paris tätig) schaffte noch einen weiteren Coup in puncto Zeitmesser-Entwicklung: Er kreierte ein Modell, das zwei übereinanderliegende Sekundenzeiger aufwies. Diese konnten nacheinander gestoppt werden – dank zweier getrennt arbeitender, aber miteinander verbundener Stoppmechanismen. Man bezeichnet den auch heute noch vorkommenden Effekt als „Nachspringende Sekunde“, Schleppzeiger oder auch Rattrapante.

Moinet und der erste anerkannte Chronograph der Geschichte

All den bisher erwähnten Persönlichkeiten müssen wir noch einen weiteren Namen hinzufügen: Das französische Genie Louis Moinet wird unverständlicherweise oftmals stiefmütterlich behandelt, wenn vom Erfinder des modernen Zeitmessers die Rede ist.

Tatsächlich handelt es sich bei dem Mann (der – für seine Zeit ungewöhnlich – über 80 Jahre alt wurde) und seinem „Terzzähler“ um herausragende Faktoren hinsichtlich der Entstehung des Zeitschreibers.

Besagter Terzzähler, eine 1815 begonnene und ein Jahr später fertiggestellte Astronomieuhr mit zentralem Zeiger zur Darbietung von Sechzigstelsekunden sowie die Start-, Stopp- und Rückstellungsfunktion unterstützenden Drucktasten, gilt als der erste anerkannte Chronograph der Geschichte, wie zahlreiche unabhängige Gutachten bezeugen.

Das fortschrittliche Modell verfügte zudem über eine Minuten-, Stunden- und 24-Stunden-Anzeige.

Und dann raste die Zeit nur so dahin

Nachdem die grundlegenden Erfindungen standen, folgten die stetigen Weiterentwicklungen quasi Schlag auf Schlag. Die wichtigsten bilde(te)n sicherlich der Zusatzmechanismus für den Stoppzeiger, den Auguste Baud 1868 als Kadratur auf der Uhrwerkseite integrierte, und die erstmals von Breitling veröffentlichten Armbanduhren mit zwei separaten Drückern, von denen einer das Starten und Stoppen übernahm, während der andere zur Nullstellung diente.

So war es endlich möglich, den Messzeiger mehrfach anzuhalten und bei Bedarf wieder weiterlaufen zu lassen. Jeder dieser Fortschritte ist bis heute geblieben, also auch bei modernen Zeitmessern zu finden.

Trendige Armbanduhren für sportlich-elegante Uhrenliebhaber

Logischerweise handelte es sich bei den ersten Chronographen ausnahmslos um mechanische Handaufzugs-Modelle. Mitte des 20. Jahrhunderts rückte allmählich auch die Herstellung von Zeitschreibern beziehungsweise –messern mit automatischem Aufzug ins Zentrum des Interesses. Albert Piguet war es, der 1946 gemeinsam mit der Schweizer Uhrenfabrik Lemania einen Automatik-Chronographen als Prototyp entwickelte.

detomaso-milano-chronograph-lederarmband-schwarz-40-mm-dt1052-k

Ende der 1960er-Jahre lieferten sich Zenith, Seiko und eine Schweizer Kooperation (Heuer, Breitling, Dubois Dépraz und Büren) ein Wettrennen bezüglich des ersten seriell produzierten Zeitmessers mit automatischem Uhrwerk. Doch die Mühe war zunächst vergebens, denn ab 1970 regierten vorläufig die neu aufkommenden Quarzuhren den Markt. Inzwischen werden von klassischen Handaufzugsmodellen über Automatikausführungen bis hin zu Quarzexemplaren alle möglichen Varianten als Zeitmesser gefertigt und angeboten.

khs-missiontimer-3-ocean-chronograph-natoarmband-beige-20-atm-455-mm-khs-mtaoc-nt khs-missiontimer-3-ocean-chronograph-natoarmband-olive-20-atm-455-mm-khs-mtaoc-no

Besonders beliebt sind natürlich automatische Modelle und Quarzkreationen. Exzellente Beispiele für die Letztgenannten bilden die hochwertigen Einsatzuhren von KHS, etwa der optisch schlicht gestaltete MissionTimer 3 Ocean mit H3-Trigalight-Beleuchtung und vielen weiteren Funktionen.

vostok-europe-almaz-chronograph-lederarmband-320b262-l ingersoll-wells-fargo-iii-chronograph-handaufzug-in4610bkmb

In Bezug auf die Automatikuhren empfehlen wir die eleganten Versionen von Vostok, zu denen auch der Europe Almaz 320B262-L mit braunem Lederarmband zählt. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle auch ein Handaufzugsmodell erwähnt: Mit dem Ingersoll IN4610BKMB Wells Fargo III legt man sich ein extravagantes Schmuckstück mit dem ursprünglichsten aller Uhrwerke ums Handgelenk.

Wer ist nun der Erfinder?

Der Chronograph hat viele Väter. Unserer Ansicht nach wäre es ein Fehler, einen einzigen Erfinder zu bestimmen, denn jeder der begabten Uhrmacher – von Graham und Pouzait über Moinet und Winnerl bis hin zu Piguet und Rieussec – trug seinen Teil dazu bei, dass wir uns heute über vielfältige und hochgradig leistungsstarke Armbanduhren mit Stoppfunktion freuen dürfen.