Startseite | Technik & Genres | Das Tachymeter von Armbanduhren

Das Tachymeter von Armbanduhren

« Was nutzt es? Wie funktioniert es? »

Armbanduhren mit technischen Zusätzen sind gern gesehen. Es gibt jedoch eine nicht selten anzutreffende Funktion, die nur die wenigsten Menschen wirklich kennen und verstehen: das Tachymeter beziehungsweise die Tachymeterskala. Anhand der anschaulichen Beantwortung typischer Fragen dazu, wollen wir klären, was es mit dem Extra auf sich hat!

Was ist ein Tachymeter?

Mit dem Wort Tacho, der Kurzform von Tachometer kann nahezu jeder etwas anfangen. Den so bezeichneten Geräten begegnet man im Alltag sehr oft. Hauptsächlich werden sie in Fahrzeugen verbaut. Tachometer dienen der korrekten Messung und Anzeige der Geschwindigkeiten von Autos, Bussen, Schiffen und anderen Fortbewegungsmitteln. Der Terminus „Tachymeter“ ist ein verwandter Begriff, der sich im Grunde genommen fast genauso definieren lässt: als Hilfsmittel zur Bestimmung von Geschwindigkeiten. Selbstverständlich zeigt es nicht das Tempo der jeweiligen Armbanduhr an. Stattdessen fungiert es als praktische Unterstützung zur Ermittlung der durchschnittlichen Geschwindigkeiten bestimmter Objekte beziehungsweise Vorgänge.

tommy-hilfiger-herrenuhr-tachymeter-1790860Was ist die Tachymeterskala?

Das Tachymeter einer Armbanduhr wird in Form einer Skala präsentiert. Diese Skala befindet sich in aller Regel auf der Lünette. Zur Erklärung: Die Lünette ist eine Umrandung des Zifferblattes. Sie kommt meist als Zierring daher – entweder fest mit dem Uhrengehäuse verbunden oder drehbar. Im letztgenannten Fall bringt sie die Optionen mit sich, Zeiten zu markieren, eine zweite Lokalzeit oder Winkel darzubieten sowie schnelle Berechnungen durchzuführen. Die „schnellen Berechnungen“ sind ein gutes Stichwort, um zum eigentlichen Thema – der Tachymeterskala – zurückzukehren.

Was bedeuten die Zahlen?

Mit ihrer (auf den ersten Blick) seltsam anmutenden Einteilung sorgt sie für reichlich Verwirrung. Man könnte meinen, sie bilde eine Ergänzung zur normalen Zeitanzeige, doch ihre Zahlenwerte nehmen im Uhrzeigersinn nicht zu, sondern ab. Im Detail: Auf Höhe der 3-Uhr-Position steht die Zahl 240, bei 6 Uhr die 120, gefolgt von der Zahl 80 bei 9 Uhr und dem Wert 60 auf der 12. Geschulte Mathematiker entdecken nach etwas Grübeln vielleicht des Rätsels Lösung: Es geht um Bruchteile – die Tachymeterskala verrät, wie viele Teile einer Stunde vergangen sind, seit der Sekundenzeiger zuletzt bei 12 stand. Praktisch bedeutet dies:

  • Der Sekundenzeiger steht auf 3, sodass die Tachymeterskala den Wert 240 zeigt. Dann ist 1/240 Stunde – also eine viertel Minute – vergangen.
  • Der Sekundenzeiger steht auf 6, sodass die Tachymeterskala den Wert 120 zeigt. Dann ist 1/120 Stunde – also eine halbe Minute – vergangen.
  • Der Sekundenzeiger steht auf 9, sodass die Skala den Wert 80 zeigt. Dann ist 1/80 Stunde – also eine dreiviertel Minute – vergangen.
  • Der Sekundenzeiger steht auf 12, sodass die Skala den Wert 60 zeigt. Dann ist 1/60 Stunde – also eine Minute – vergangen.

Bei den meisten Armbanduhren-Tachymetern beginnt die Zählung bei 12. Einige Modelle allerdings weichen jedoch von diesem Standard ab. Deren Tachymeter-Startpunkt ist die Ziffer 6.

Wie lässt sich die verdrehte Skalenteilung erklären?

kronsegler-poseidon-herren-chronograph-tachymeter-stahl-schwarz-ks727st-swzAm Beispiel ursprünglicher Ausführungen soll noch eine weitere Besonderheit der Tachymeterskala erläutert werden: Die Skalenteilung ist nicht selten so angebracht, dass der schnellste (zu messende) Vorgang auf Höhe der 3-Uhr-Position erscheint. Langsamere Vorgänge sind manchmal auch „hinter“ der 12 noch abzulesen, etwa bei 2 Uhr. Diese Anordnung kann zunächst irritieren, da man sich als ungeübter Träger einer Armbanduhr mit Tachymeterfunktion quasi automatisch am klassischen Fixpunkt, der 12, orientiert. Allerdings gewöhnt man sich rasch an die verdrehte Skalenteilung, zumal sie Sinn hat: Bei den entsprechenden Uhren wird davon ausgegangen, dass die zu messende Aktion mindestens 15 und maximal 75 Sekunden lang dauert.

Das bedeutet, die Messung erfolgt frühestens ab einem Aktionszeitraum von 15 Sekunden, der auf der 3-Uhr-Position angegeben wird. Die auf diese Weise frei bleibenden 1- und 2-Uhr-Markierungen (sowie deren Zwischenbereiche bis zur 3) dienen demnach der Fortsetzung der Skala in Bezug auf länger andauernde Vorgänge. Dass die Messung erst ab 15 Sekunden einsetzen sollte, hat einen logischen Grund: Bei zu kurzen Messzeiten könnten leicht signifikante, also merkliche Ungenauigkeiten entstehen.

Ein Exempel: Würde eine drei Sekunden dauernde Aktion mit einem Messfehler von einer Sekunde gemessen, betrüge die Ungenauigkeit circa 33 Prozent. Demgegenüber läge die Ungenauigkeit bei 15 Sekunden Messdauer und zwei Sekunden Messfehler nur bei ungefähr 13 Prozent.

Varianten der Skala

Viele moderne Armbanduhren verzichten jedoch auch auf die verdrehte Skalenteilung und ermöglichen die Messung von Sequenzen, die weniger als 15 Sekunden dauern.

detomaso-firenze-herren-chronograph-tachymeterskala eichmueller-kleiner-flieger-chronograph-7700 bossart-herren-chronograph-tachymeterskala

Dies gilt etwa für den schwarz-roten Detomaso Firenze Herren Chronographen SM1624C-RD, den kleinen Fliegerchronographen 7700 von Eichmüller und den edlen Bossart BW-1201-W2T-BrLe Herren Chronographen.

Bei anderen Ausführungen, etwa dem Festina Herren Chronographen F16489/5 und anderen Modellen des namhaften Herstellers, startet die Tachymeteranzeige bei der 3-Uhr-Markierung (also 15 Sekunden), endet allerdings auch bei der 12-Uhr-Position (60 Sekunden). So weit, so gut. Doch wie wendet man die Tachymeterskala nun konkret an?

zeppelin-100-jahre-dual-time-fliegeruhr-tachymeter-skala-7640-3Wie wendet man das Tachymeter an?

Die bei Tachymetern von Armbanduhren verwendete Maßangabe von Stundenbruchteilen erlaubt die Berechnung der Geschwindigkeiten unterschiedlicher Objekte beziehungsweise Vorgänge. Zur Anwendung muss jedoch die Länge der zurückgelegten Strecke bekannt sein. Am einfachsten gelingt die Tempomessung bei einem einen Kilometer langen Abschnitt. In einem solchen Fall reicht der Blick auf die Tachymeterskala absolut aus und man spart sich weitere Umrechnungen. Bei anderen Streckenlängen ist es unumgänglich, den abgelesenen Wert noch umzurechnen, um die Geschwindigkeit in Kilometern pro Stunde zu ermitteln.

Die Formel lautet: Tachymeterwert x Tachymetergrößenordnung (immer 1/h – sprich „pro Stunde“) x Streckenlänge in Kilometern.

Drei Beispiele, die diesen Sachverhalt (einschließlich der Formel) verdeutlichen sollen:

a) Eine Strecke von einem Kilometer Länge wird in 45 Sekunden zurückgelegt und der Tachymeter zeigt den Wert 80 an. Rechnung: 80 (Tachymeterwert) x 1/h (Tachymetergrößenordnung) x 1 km (Streckenlänge in Kilometern) = 80 km/h. Eine Umrechnung wäre also nicht nötig gewesen.

b) Eine Strecke von 900 Metern wird in 36 Sekunden zurückgelegt und der Tachymeter zeigt den Wert 100 an. Rechnung: 100 x 1/h x 0,9 km = 90 km/h

c) Eine Strecke von 1,3 Kilometern wird in 50 Sekunden zurückgelegt und der Tachymeter zeigt den Wert 72 an. Rechnung: 72 x 1/h x 1,3 km = 93,6 km/h

Die dargestellte Formel lässt sich sowohl zur Berechnung von (durchschnittlichen) Fahrzeuggeschwindigkeiten als auch zur Bestimmung des Durchschnittstempos eines Läufers, Schwimmers, Ruderers, Seglers, Radfahrers oder sonstigen Sportlers, der kürzere Abschnitte zurücklegt, anwenden. Essenziell ist in jedem Fall, die genaue Streckenlänge zu kennen. Ansonsten funktioniert das Tachymeterprinzip nicht.

Welche Uhren beherbergen eine Tachymeterskala?

kronsegler-poseidon-herren-chronograph-mit-tachymeter-ks727st-pac-sEine nicht unwesentliche Voraussetzung zur Geschwindigkeitsmessung mit Armbanduhren beziehungsweise deren Tachymetern ist das Vorhandensein einer Stoppfunktion.

Zwar könnte man den Sekundenzeiger theoretisch auch bei seinem Voranschreiten beobachten und verfolgen. Allerdings gestaltet sich die Messung mit Einsatz der Stoppfunktion weitaus komfortabler.

Aus diesem Grund sind Tachymeter vor allem bei Chronographen anzutreffen.

Interessant: Früher wurde die Skala auf der Lünette unter anderem von Seglern genutzt. Der Matrose nahm ein Seil zur Hand, von dem er die Länge kannte. An das Seilende band er eine Boje, die er anschließend ins Wasser warf. Daraufhin stoppte der Matrose die Zeit – so lange, bis die Leine auf Spannung war. So konnte man ohne große Rechnereien die aktuelle Geschwindigkeit des Segelbootes herausfinden. Die Anwendung eines Tachymeters hat also durchaus Tradition – und Traditionelles bekanntlich seinen ganz eigenen Reiz. Da bildet der Tachymeter keine Ausnahme.

Praktisches Geschwindigkeitsmessgerät einer Armbanduhr

Das bei vielen Armbanduhren – insbesondere Chronographen – eingearbeitete Tachymeter bietet die Möglichkeit, durchschnittliche Geschwindigkeiten verschiedener Objekte und Vorgänge zu messen beziehungsweise annähernd genau zu schätzen. Was auf den ersten Blick nach hochkomplexer Mathematik aussieht, wird bei genauerer Betrachtung zu einer logisch nachvollziehbaren Funktion, die auch all jene einwandfrei nutzen können, die sich mehr als Liebhaber sportlich konzipierter Uhren denn als Rechengenies verstehen!