Startseite | Uhrsachen & Geschichten | Uhrenstadt Ruhla
© alephnull / Fotolia.com

Uhrenstadt Ruhla

« Vom Kinderspiel zur Gebrauchsuhr »

Die Zeitgeschichte der Uhrenstadt Ruhla prägen vor allem immer wiederkehrende Teilungen: seien es jene der Stadt selbst oder die Separierung der DDR. Sogar nach der Wende fand noch eine entscheidende Spaltung statt, und zwar jene Zerlegung des VEB Uhrenkombinates in Gardé Ruhla und zahlreiche andere Unternehmen, darunter auch die, des prestigeträchtigen Glashüttes. Während jene Betriebe heute zweifelsohne für das Luxussegment stehen, wählt Gardé den Weg hochwertiger Markenuhren zu erschwinglichen Preisen. Glashütte und Ruhla: deutsche Uhren mit verbindender Geschichte.

Gemeinsame Gegensätze: eine bewegte Geschichte

660-jähriges Jubiläum im Jahr 2015: Die Uhrenstadt Ruhla trat in offiziellen Schriften erstmals 1355 in Erscheinung. Seit jeher wurde der Mittelgebirgsort in Thüringen von wiederholten Teilungen in einzelne Marken und Grafschaften zersplittert. Erst nach der Jahrhundertwende einigte man sich 1920 per Volksabstimmung auf die Eingliederung in den Kreis Eisenach. Was darauf folgte, war zunächst düster – um danach umso heller zu erstrahlen.

@wikipedia – Stadtverwaltung Ruhla / Nya Delany
@wikipedia – Stadtverwaltung Ruhla / Nya Delany

Zunächst jedoch genoss Ruhla im 18. Jahrhundert großes Renommee als Kurort. Während die Beschaffenheit des Bodens für die Landwirtschaft grundsätzlich denkbar ungünstig war, schuf die Umgebung beste Bedingungen für die Bedürfnisse ihrer Erholungsgäste – unter denen sich unter anderen illustre Namen wie Johann Wolfgang Goethe befanden.

Daneben konzentrierte sich die Tradition der Region vorwiegend auf das Zutage-Befördern und Verwerten von Eisenerz. Wanderschmieden waren bereits ab dem 10. Jahrhundert so allgegenwärtig, dass sie sogar in die überregional bekannte Sage vom „Schmied von Ruhla“ Eingang fanden.

Sowohl die Erfolge als Erholungszentrum als auch jene des Schmiedehandwerks – das sich mittlerweile hauptsächliche auf Messerwaren verlegt hatte – durchkreuzten die Napoleonischen Kriege. Während die Geschichte Ruhlas als Kurort durch die anlaufende Industrialisierung erst deutlich später mit den DDR-Feriencamps weitergeschrieben wurde, führte der durch die Kontinentalsperre unterbrochene Export der Schmiedewaren zu einer zukunftsträchtigen Innovation: es handelt sich um die Entwicklung neuer Bereiche des metallverarbeitenden Handwerks. Im Zuge der Neuerungen entstand mit der Uhren- und Maschinenfabrik Gebrüder Thiel der größte Betrieb des Ortes. Das war im September 1862 – mit 80 Mitarbeitern.

@wikipedia – Bruno Eppelin / Metilsteiner
@wikipedia – Bruno Eppelin / Metilsteiner

Uhren- und Maschinenfabrik Gebrüder Thiel

Dank beachtlicher Gewinne durch Kleinmetallartikel konnte das Unternehmen in rasantem Tempo expandieren. Bereits im Jahr 1874 begann die industrielle Fertigung – im Kinderspiel. Die charakteristischen Kinderspieluhren sorgten dafür, dass sich der Gesamtumsatz binnen weniger Jahre vervielfachte und leiteten damit die Ära der Spezialisierung auf die altehrwürdige Taschenuhr ein.

Günstige und dennoch äußerst zuverlässige Taschenuhren bildeten ab Ende der 1880er Jahre das Kerngeschäft der Ruhlaer Uhrenfabrik . 1897 waren es bereits 4000 pro Tag und 1901 erschien eine erste Weiterentwicklung des ursprünglichen Modells.

Dunkle Zeiten überschatteten die Herstellungslokalitäten während des Ersten und insbesondere des Zweiten Weltkrieges. Unter dem Titel Nationalsozialistische Musteranstalt verstand sich innerhalb der Uhren- und Maschinenfabrik Gebrüder Thiel eine Stätte der Zwangsarbeit. Dies führte selbstverständlich zur kompletten Einstellung der Produktion mit dem Kriegsende 1945 sowie zur Entlassung sämtlicher Mitarbeiter.

Ruhla + Glashütte + Weimar = VEB Uhrenkombinat

Vorerst war die Produktion also stillgelegt. Das und der bekannte Geschichtsverlauf der Besatzung durch die Sowjetarmee verwundern nicht. Überraschung bot hingegen Folgendes: Nachdem die Arbeit bereits im Juli 1945 wieder neu aufgenommen werden konnte, überbot man schon im Jahr 1949 mit der höchsten Produktionsmenge die eigenen – von 1938 stammenden – Spitzenwerte. Wider Erwarten der Bevölkerung wurden im Zuge der Besatzung der Sowjets 1945 tatsächlich die meisten Betriebe erhalten. Zwar brach das weltweite Exportnetz der Ruhlaer Industrie durch die Isolierung der Ost-Zone zusammen. Dafür aber erblühte die Uhrenproduktion!

Das thüringische Städtchen wurde zu einem der wichtigsten Standorte im sozialistischen Wirtschaftsraum. Die beachtlichen Erfolge der im Jahre 1967 zusammengeschlossenen VEB Uhrenwerke stellten für den Sozialistischen Staat den Erwerb wichtiger Devisen sicher. Zur VEB gehörten die Ruhlaer Uhrenfabrik – hervorgegangen aus dem Unternehmen der Gebrüder Thiel – sowie das Uhrenwerk Weimar und die Betriebe in Glashütte.

@wikipedia – Metilsteiner
@wikipedia – Metilsteiner

Schon vorab im Jahre 1952 war die Ruhlaer Uhrenproduktion auf Drängen der UdSSR verstaatlicht worden. Das Hauptaugenmerk dieser VEB Uhrenwerke richtete sich auf die Herstellung gewinnbringender Großserien. Keine zehn Jahre später konnte die Ruhla Electric als erste elektrische Armbanduhr bei der Leipziger Messe 1961 vorgestellt werden.

Das daran anschließende erfolgreichste Modell dieser Zeit war die Ruhla Kaliber 24 – eine Armbanduhr, die dem Betrieb in der Phase zwischen 1963 bis 1987 einen Absatz von mehr als einer Million Exemplare bescherte. Die technischen Innovationen bewahrten die Uhrenstädte der DDR vor einer Schließung.

Bis zur Electric war man der Meinung, die Fertigung von Armbanduhren an 15 anderen Standorten in der UdSSR sei ausreichend. Die Erhaltung der ostdeutschen Betriebe war vor der Electric nicht geplant. Somit verdankt auch Glashütte seine Existenz ein Stück weit den Ingenieuren aus Ruhla.

Zeitlose Uhrenstadt: das kleine Glashütte

Nach der Wende erfolgte die nächste Teilung – nicht der kleinen Stadt in Thüringen, aber der zum bisherigen Kombinat gehörigen Betriebe. Diese wurden privatisiert und in ganze 40 neue Unternehmen zerlegt, darunter auch das Prädikat Glashütte, das heute in vielen Marken nach wie vor Weltruhm im gehobenen Segment genießt.

@wikipedia – Norbert Kaiser
@wikipedia – Norbert Kaiser

In der Ruhlaer Uhrenstadt selbst hat einzig Gardé bestand. Während der Hersteller in der DDR vorwiegend Schachuhren fertigte, hält er bis heute mit charakteristischen Armbanduhren den Titel „Uhrenstadt“ aufrecht. Das neue Unternehmen Gardé legt den Schwerpunkt – damals wie heute – auf die Produktion von schicken, ehrlichen Armbanduhren, die durch zuverlässige Qualität und vielfältige Designs möglichst viele Gusti treffen wollen.

Neben der Uhrenherstellung sollten allgemeine feinmechanische Erzeugnisse den Betrieb von der sozialistischen Planwirtschaft hin zum marktwirtschaftlichen Wettbewerb führen. In diesem Sinne überzeugte Gardé Ruhla ab 1993 mit der Entwicklung innovativer Funkarmbanduhren, die im gleichen Jahr bei der Messe Basel zur Präsentation kamen. Bis heute prägen Modelle wie die erfolgreiche Business Alarm 6-15 einen Teil des facettenreichen Sortiments.

garde-ruhla-titan-funkuhr-fu-business-alarm-titanband-43-mm-19-16amAktuelle Zeitanzeiger mit geschichtsträchtiger Herkunft

Die funkenden Nachfolger wie etwa die Business Alarm 19-16AM oder die garde-ruhla-titan-funkuhr-fu-business-alarm-titanband-43-mm-6-16cm6-16CM zeigen sich modern, absolut präzise und zugleich zeitlos. Als hochwertige deutsche Uhren stehen sie für Qualität – im erschwinglichen Preisrahmen von rund 200 Euro. Das Funk-Quarz-Uhrwerk Gardé 14-82, Titangehäuse und -armband sowie extra robustes Saphirglas und zahlreiche praktische Funktionen (zweite Zeitzone, Alarm, Kalenderwochen-Anzeige, Stoppfunktion, etc.) machen die modernen Funkuhren aus der Uhrenstadt Ruhla zu echten Allroundern.

garde-ruhla-titan-funkuhr-fu-classic-bicolor-lederband-42-mm-1-1cNeben den betont klassisch-sportlichen Ausführungen, die den Ursprungsmodellen optisch zum Verwechseln ähnlich sehen, bietet Gardé mittlerweile jedoch auch Designs von dezenterer Eleganz. Modelle wie die Gardé R Titan Funkuhr FU-Classic 1-1C in bicolor Ausführung oder die FU-Classic 10-1BM glänzen zu jedem Business-Look und erinnern in dezenten Ansätzen an die Urmodelle.

garde-ruhla-herren-chronograph-lederband-42-mm-91203Auch edle Chronographen – etwa der Gardé R Herren Chronograph 91203 oder das Modell 91203M – mit schickem Leder- oder modernem Milanaisearmband gehören zu dem breit gefächerten Sortiment der Uhrenstadt, das längst nicht mehr allein Funkuhren umfasst. Auch die automatisierten Zeitanzeiger aus dem Hause Gardé können sich sehen lassen: Die A4-19 Damenuhr bringt beispielsweise alles mit, was Automatikuhren des Einstiegssegmentes bieten müssen. Neben dem hochwertigen CH824T Werk sind ein Gehäuseboden mit Glaseinsatz sowie ein edles Lederarmband und solides Mineralglas mit an Bord.

Eine moderne Uhrenproduktion

Nach Jahrhunderten einer von Teilungen unterschiedlichster Art gezeichneten Geschichte, zeigt die Uhrenstadt mit ihren soliden Armbanduhren, wie gut die Verbindung vermeintlicher Gegensätze funktionieren kann und bietet einfach beides: erstklassige Qualität und einen fairen Preis. Die auffallend vielfältige Modellauswahl öffnet die Grenzen für nahezu jeden Geschmack.