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Was ist eigentlich das Kaliber einer Uhr?

« Ewiger Kalender, Rattrapante, Tourbillon oder Dezentrale Sekunde: Uhrenliebhaber sprechen ihren ganz eigenen Jargon und umgeben sich mit unzähligen Fachbegriffen. Besonders bedeutsam ist das Wort Kaliber – oder vielmehr das, was hinter diesen sieben Buchstaben steht. »

Des Rätsels (erste) Lösung

„Zeit ist das, was man an der Uhr abliest.“ So lautet Albert Einsteins Definition dessen, was der Mensch Jahr um Jahr, Monat um Monat, Tag um Tag dahinfließen spürt. Dass eine Uhr die Zeit auch tatsächlich anzeigt, verdankt sie ihrem Innersten, dem Uhrwerk, das vor allem in Bezug auf mechanische Uhren gerne als Kaliber bezeichnet wird. Letztendlich macht das Uhrenkaliber den Wert eines Zeitanzeigers aus. Es allein bestimmt über Ganggenauigkeit, Zuverlässigkeit und Qualität.

Versuch einer begrifflichen Herleitung

Eigentlich ist der Terminus Kaliber als Bezeichnung für den Durchmesser eines Projektils oder ähnlichen Bauteils bekannt. Die meisten denken dabei vermutlich an Schusswaffen. Wie kommt es also, dass sich die feine, elegante Horlogerie ausgerechnet dieser Begrifflichkeit bedient, um das wesentlichste Element ihrer Wissenschaft zu benennen?

Kaliber Junkers Mountain Wave Project Automatik Chronograph Valjoux 6824-3

Gehen wir noch einmal zu den Schusswaffen und Kanonen zurück: Das Wort Kaliber bezieht sich in diesem Zusammenhang vornehmlich auf die Munitionsgröße, gleichzeitig aber auch auf den Durchmesser des (runden) Laufes oder Rohres, durch den die Munition abgefeuert wird. Uhrwerke für Taschenuhren wiesen zu Beginn ihrer Entwicklung fast immer eine kreisrunde Form auf, sodass die Verwendung des Begriffes Kaliber zur Definition der Größe eines Uhrwerkes durchaus Sinn ergab – und ergibt. So hat sich der Terminus in die Gefilde der Uhrmacherei geschlichen, um heute fester Bestandteil derselben zu sein – allerdings in zwei unterschiedlichen Varianten.

Ein Begriff, zwei Bedeutungen

Das Kaliber wird auch Werkkaliber genannt und hat in der Horlogerie heute doppelte Bedeutung: Zum einen beschreibt es (nach wie vor) die Größe beziehungsweise den Durchmesser des jeweiligen Uhrwerkes. Das Charakteristikum wird gemeinhin in historischen Längenmaßen wie „Linie“ (eine Linie entspricht 2,2558 Millimetern) oder „Size“ (ein Size entspricht 0,8466 Millimetern) angegeben. Während die „Linie“ („Ligne“) aus Frankreich stammt, geht die „Size“-Angabe des Kalibers einer Uhr auf den Uhrmacher Aaron Lufkin Dennison (1812-1895) zurück, der als Vater der amerikanischen Uhrmacherei gilt.

Inzwischen nutzt man den Begriff Kaliber beziehungsweise Uhrenkaliber jedoch in erster Linie, um die Baureihe eines Uhrwerkes mit dazugehörigem Herstellercode zu definieren. Dass dem so ist, liegt nicht zuletzt daran, dass mit der Zeit immer häufiger ein und dieselbe Manufaktur unterschiedliche Uhrwerke gleichen Durchmessers zu produzieren begann. In der Folge reichte die Angabe des Durchmessers zur Differenzierung verschiedener Werke nicht mehr aus. So erhielten die Kreationen allmählich auch (mehrstellige) Nummern, die zur Be- und Kennzeichnung bestimmter Uhrwerke dienten. Der unmittelbare Bezug zum Werksdurchmesser ging zunehmend verloren. Seither fungiert das Wort Kaliber vor allem als eine Art Synonym für den Uhrwerkstyp.

Die Kalibernummer hat auch eine praktische Funktion: Anhand derselben kann ein Uhrmacher bei Bedarf die geeigneten Ersatzteile für den jeweiligen Zeitanzeiger ermitteln beziehungsweise festlegen. Durch die große Anzahl an französischen Herstellern ist außerdem die französische Entsprechung Calibre geläufig.

Das Herzstück von Armbanduhren

Aus allem bislang Geschilderten wird ersichtlich: Das Kaliber ist nicht weniger als das Herz einer Uhr. Trotz seiner essenziellen Rolle bauen es jedoch nur Hersteller der hochpreisigen Segments – etwa Rolex, Ebel, Omega SA, Glashütte Original oder A. Lange & Söhne – sowie einige kleine (und vornehme) Manufakturen wie Lang & Heyne oder D. Dornblüth & Sohn selbst. Die meisten anderen Betriebe beziehen ihre Uhrenkaliber aus einer überschaubaren Anzahl von Quellen: Uhrwerke mit dem Prädikat „Swiss made“, wie es beispielsweise die Calibre der Swatch-Töchter ETA und Valjoux tragen, genießen das höchste Ansehen. Doch auch japanische Hersteller à la Citizen Miyota sind bei Uhrenfreunden ausgesprochen beliebt. Um dem verwendeten Fremdkaliber eine individuelle Note zu verleihen, legen einige Uhrenhersteller selbst Hand an und fügen der Basis technische und/oder optische Verfeinerungen hinzu.

Chris Benz Deep 2000M Automatic GMT Taucheruhr CB-2000A-D3-MBDie robust-sportliche Chris Benz CB-2000A-D3-MB Deep 2000M Automatic GMT Taucheruhr ist ein gutes Beispiel für die Kombination aus fremdem Basiswerk und eigenen – ergänzten – Ideen des Labels. Im vorliegenden Fall erhielt ein mechanisches Schweizer Präzisionsautomatikuhrwerk ein spezielles „Chris-Benz-Tuning“, wie es der Hersteller selbst nennt.

Interessant für die qualitätsbezogene Charakterisierung eines Kalibers ist auch der folgende Fakt: In hochwertig verarbeiteten (kleinen) Mechanikuhrwerken kommen Edel- als Lagersteine für bewegliche Teile zum Einsatz. Der Grund dafür liegt darin, dass zwischen Stein und Stahl eine geringere Reibung als zwischen zwei Stahlbauteilen entsteht. Auf diese Weise lässt sich einerseits der Verschleiß reduzieren und andererseits die Ganggenauigkeit (durch gleichmäßige Kraftübertragung) erhöhen. Bei modernen Armbanduhren beziehungsweise deren Uhrwerken werden synthetische Steine wie Rubine verwendet.

ETA – Calibre der gehobenen Klasse

Zeppelin LZ127 Graf Zeppelin Automatik Fliegeruhr ETA 7652-2SDie bereits 1793 gegründete ETA SA ist ein Schweizer Hersteller von Uhren und insbesondere Uhrwerken. Heute gehört das Unternehmen zur Swatch Group. Mit der oben erwähnten „Swiss-made“-Herkunftsbezeichnung dominiert ETA seit einigen Jahren den Markt mechanischer Kaliber. Für viele Experten arbeiten die Ausführungen der Firma auf dem Niveau bekannter Luxus-Werke und überzeugen durch hohe Ganggenauigkeit und Zuverlässigkeit. Kein Wunder also, dass zahlreiche Armbanduhren mit den herausragenden ETA-Kalibern ausgestattet sind – beispielsweise die LZ127 Graf Zeppelin Automatik Fliegeruhr der renommierten deutschen Marke Zeppelin. Das in klassisch-elegantem Edelstahl- und Milanaise-Design gehaltene Modell beherbergt das Automatikuhrwerk ETA 2826-2 (mechanisch, automatischer Aufzug, 25 Steine).

Valjoux – Uhrwerke aus dem „Tal der Uhren“

Wie ETA ist auch Valjoux eine Tochter der Swatch Group. Der Schweizer Rohwerkeproduzent wurde im Jahr 1901 von den Gebrüdern Junkers Mountain Wave Project Automatik Chronograph Valjoux 6824-3Charles und John Reymond ins Leben gerufen. Damals firmierte das Unternehmen unter dem Namen „Reymond Frères SA“. Mit dem Generationswechsel 1929 – die Reymond-Söhne Arnold und Marius führten fortan den Betrieb – kam auch die bis heute geltende Namensänderung: „Valjoux“ ist die Kurzform von „Vallée de Joux“, dem berühmten „Tal der Uhren“ im Schweizer Jura, in dem mehrere traditionsreiche Uhrenmanufakturen beheimatet sind. Valjoux hat sich früh auf die Herstellung erstklassiger Chronographenuhrwerke spezialisiert.

Heute werden die Kaliber des Produzenten in der Regel als ETA-Valjoux plus Kalibernummer angegeben. Zu den bekanntesten und am häufigsten eingesetzten Uhrwerken zählt das ETA-Valjoux 7750, das unter anderem im Mountain Wave Project Automatik Chronographen von Junkers verbaut ist. Der bis zu 100 Metern wasserdichte Zeitmesser kommt mit satiniertem Edelstahlgehäuse, dunkelblauem Zifferblatt sowie gleichfarbigem Lederarmband daher.

Citizen Miyota – die Antwort aus Japan

Carucci Collegno Herren Automatikuhr CA2181BK-BKDass die Japaner einiges von der Kunst der Uhrmacherei verstehen, bewiesen sie bereits Ende der 1960er-Jahre, als Seiko mit der „Astron“ die erste seriell produzierbare und produzierte Quarzarmbanduhr auf den Markt brachte. Auch die Miyota Precision Corporation Ltd., die 1959 von der seit 1918 bestehenden Firma Citizen gegründet wurde, versteht sich auf die Fertigung hervorragender Uhrenkaliber. Das Unternehmen zählt heute zu den größten internationalen Produzenten von Quarz- und mechanischen Uhrwerken.

TW STEEL CEO Canteen XXL Chronograph TWCE-1020Bekannt ist beispielsweise das mechanische Automatikkaliber 8215, das mehrere Uhrenmarken – etwa Festina – verwenden. Doch auch andere Miyota-Uhrwerke werden häufig eingesetzt: Bei der Carucci Collegno CA2181BK-BK Herren Automatikuhr mit Dezentraler Sekunde und 24-Stunden-Anzeige sorgt beispielsweise das Miyota 8247 für ein Höchstmaß an Präzision. Exemplarisch sei weiterhin auf den roségold-weißen TW STEEL CEO Canteen XXL Chronograph TWCE-1020 mit braunem Lederarmband und Miyota-Chronographen-Quarzwerk hingewiesen.

Fazit oder: Das Uhrwerk – ein echtes Kaliber

Kaliber oder Calibre ist schlicht und ergreifend die gehobene Fachbezeichnung für die Modellnummer eines Uhrwerkes. Ob Handaufzug, Automatik oder Quarz: Jedes Werk hat seine individuelle Kalibernummer, wenngleich man vorwiegend mechanische Uhren mit dem Begriff in Verbindung bringt. Qualitätsvolle Uhrenkaliber stellen die Ausführungen von ETA beziehungsweise ETA-Valjoux aus der Schweiz und Citizen Miyota aus Japan her – Uhrwerke, die von vielen beliebten Uhrenlabels pur oder individuell veredelt eingesetzt werden!