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Wasserdichtigkeit von Uhren

« Was bedeutet „wasserdicht“ bei Uhren wirklich? »

Uhrenkenner und -liebhaber sprechen ihren eigenen Jargon. Sie legen Wert auf den spezifischen Begriffskatalog mit vielen Fachtermini, die nicht immer ganz eindeutig sind. Dies gilt auch für die Bezeichnung „wasserdicht“. Wir wollen klären, was es mit der Wasserdichtigkeit bei Armbanduhren tatsächlich auf sich hat.

eichmueller-skelett-taschenuhr-mit-handaufzug-3atm-8226-01Die Geschichte der zeitverbundenen Wasserdichtigkeit

Der Anspruch, Zeitanzeiger vor eindringendem Wasser und dessen Folgen zu schützen, entwickelte sich mit der zunehmenden Verbreitung der Armbanduhren seit dem Beginn der 1930er Jahre.

Zuvor dominierte die Taschenuhr, mit der man sich gemeinhin weder die Hände wusch noch badete oder schwamm. Sie brachte ihr Dasein hauptsächlich in der Tasche eines Kleidungsstückes zu, das man vor einem intensiven Kontakt mit Wasser normalerweise ablegte. Und wenn es regnete, blieb die Uhr natürlich versteckt. Insofern bestand keinerlei Notwendigkeit, Taschenuhren „wasserdicht“ zu gestalten.

Dies änderte sich jedoch mit dem Aufkommen der für das Handgelenk vorgesehenen Zeitanzeiger. In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts hatten Uhrmacher reichlich Beschäftigung. Der Grund dafür war die Unachtsamkeit der Träger von Armbanduhren, die des Öfteren vergaßen, ihre Schmuckstücke beim Händewaschen oder Geschirrspülen abzulegen.

© James Thew / Fotolia.com
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Zur Beseitigung der Wasserschäden, die in der Folge bei den Uhren auftraten, wurden also die Uhrmacher auf den Plan gerufen. So kam eins zum anderen und die Verbesserung der Gehäuse betraf neben der kontinuierlichen Verkleinerung auch das Charakteristikum der Wasserdichtigkeit.

Heute gibt es von spritzwassergeschützten Modellen bis hin zu ausgereiften Taucheruhren, die den enormen Kräften in den Tiefen des Ozeans standhalten sollen und können, verschiedenste Zeitanzeiger mit unterschiedlichen Wasserdichtigkeitsstufen. Doch was bedeutet „wasserdicht“ bei Uhren im Einzelnen?

„Wasserdicht“ ist nicht gleich wasserdicht

Es kommt nicht von ungefähr, dass wir den Begriff „wasserdicht“ im unmittelbaren Zusammenhang mit Armbanduhren stets in Anführungszeichen setzen. Die Wasserdichtigkeit ist in Bezug auf Zeitanzeiger eine Eigenschaft, die das Eindringen von Wasser ins Innere der jeweiligen Uhr in bestimmtem Maße verhindern kann. Allerdings sind Armbanduhren niemals vollkommen dicht, sondern „nur“ mehr oder weniger wasserresistent. Der Grad der Dichtigkeit hängt von der Bauweise und Stabilität der eingearbeiteten Dichtungen ab. Bei der Herstellung „wasserdichter“ Uhren gilt es insbesondere die drei Schwachstellen – die Aufzugswelle mit der Krone, aufgedrückte oder aufgeschraubte Deckel und die Kontaktstelle zwischen Uhrenglas und Gehäuse – einzudämmen. Je nachdem, wie gut die Umsetzung gelingt, liegt eine stärkere oder schwächere Wasserdichtigkeit vor. Die Ausprägung wird in verschiedenen Einheiten angegeben.

ATM, Bar und Meter – die Einheiten von „wasserfest“

Um den Grad der Wasserdichtigkeit einer Uhr zu beschreiben, werden weitläufig drei Einheiten verwendet: ATM, Bar oder m. Meter fungiert dabei als das einzige Maß, unter dem sich vermutlich jeder direkt etwas vorstellen kann. Nicht zuletzt deshalb sorgt die Angabe der Dichtigkeit in dieser Einheit jedoch auch für Verwirrung.

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Eindeutigkeit gewährleisten nur ATM und Bar – zumindest, wenn man sich mit den jeweiligen Bedeutungen etwas näher beschäftigt und ein Verständnis für dieselben entwickelt hat.

Die physikalische Atmosphäre als (alte) Einheit des Drucks

Die physikalische Atmosphäre (Einheitenzeichen ATM) ist eine Einheit des Drucks. Sie orientiert sich an der Größe, die der normale Luftdruck in Meeresspiegelhöhe aufweist. Das heißt, die Druckeinheit entspricht dem Druck, den die Gewichtskraft der Erdatmosphäre verursacht. Daher rührt also der Name.

Bar – die neue Einheit des Drucks

Das Bar löste am 1. Januar 1978 in Deutschland und Österreich die Maßeinheit ATM ab. Es fungiert demnach ebenfalls als Einheit des Drucks. Für Menschen, die sich für den Kauf einer „wasserdichten“ Uhr interessieren, ist lediglich wichtig zu wissen, dass ein Bar weitestgehend einem ATM entspricht und ein Bar den Druck von einem Kilogramm, dessen Kraft senkrecht auf die Fläche von einem Quadratzentimeter trifft, widerspiegelt.

Die trügerische Meterangabe

Häufig wird die Wasserdichtigkeit auch in Metern angegeben. Die Meter-Angabe bezieht sich allerdings nicht direkt auf die Tauchtiefe. Vielmehr kennzeichnet sie den Druck, dem die jeweilige Uhr im Rahmen der Wasserdichtigkeitsprüfung gemäß der vorgegebenen Kriterien standhalten konnte. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Eine zehn Meter hohe Wassersäule erzeugt denselben Druck wie ein Bar oder ATM. So wird man schnell dazu verleitet anzunehmen, mit einer Uhr, die bis zu 20 ATM „wasserdicht“ ist, 200 Meter tief tauchen zu können.

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Ein Trugschluss, denn: Zum Wasserdruck im Pool, See, Meer oder Ozean addiert sich der Luftdruck von ungefähr einem ATM an der Wasseroberfläche. Auf unser Exempel bezogen heißt das: Eine Uhr mit einer Wasserdichtigkeit von 20 ATM erlaubt eine Tauchtiefe von etwa 190 Metern. Aber selbst das nur für eine begrenzte Zeit: so, wie die jeweilige Uhr auch im Dichtigkeitstest dem anvisierten Druck nur für eine festgelegte Zeitspanne ausgesetzt wird. In der Praxis hat dieses Beispiel einen weiteren Haken. Die tatsächliche Tauchtiefe wird durch beispielsweise von Bewegungen oder Massagedüsen verursachte Druckspitzen nochmals deutlich reduziert.

Wie die Uhr geprüft wird

In Deutschland gibt es zwei Prüfnormen für die Wasserdichtigkeit von Armbanduhren: Die DIN 8310 bezieht sich auf Kleinuhren, während die DIN 8306 die Kriterien für Taucheruhren vorschreibt. Als internationale Pendants kommen die ISO 2281 und ISO 6425 zum Einsatz. Mit Prüfverfahren, die den Wasserdruck simulieren, werden Uhren auf die Ausprägung ihrer Wasserdichtigkeit hin getestet. Zu diesem Zweck befördert man jede Uhr in ein Druckgefäß mit Wasser, in dem ein bestimmter Überdruck angelegt und für einen festgelegten Zeitraum gehalten wird. Besteht ein Zeitanzeiger den vorgesehenen Test, so darf er die Bezeichnung „wasserdicht“ mit entsprechender Druckangabe in ATM oder Bar tragen.

Von spritzwassergeschützten Modellen bis hin zu Taucheruhren

Liegt bei einer Armbanduhr keine Angabe zur Wasserdichtigkeit vor, spricht dies dafür, dass sie nicht geschützt ist. Auch bei Modellen, die lediglich den Zusatz „water-resistant“ aufweisen, sollte man (intensiveren) Kontakt mit Wasser tunlichst vermeiden.

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Die nächstgrößere Kategorie bilden Zeitanzeiger, deren Resistenz bis 3 ATM oder Bar reicht. Wasserspritzer und Schweiß stellen für solche Uhren keine Probleme dar. Zahlreiche modisch-schicke Modelle gehen mit diesem Mindestschutz einher, beispielsweise die Guess Broadway Damenuhr W0768L2 mit goldfarbigem Edelstahlgehäuse.

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Bis 5 ATM geschützte Uhren können beim Hände-, Ab- und Auto waschen, beim Duschen, Skisport und Trekking sowie auch bei Regen getragen werden. Das interessante dänische Label Obaku offeriert mehrere Uhren mit dieser Wasserdichtigkeit. Exemplarisch sei die edle Herren Multifunktionsuhr V171GMCIRN mit ihrem futuristisch anmutenden Zifferblatt erwähnt.

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Bis 10 ATM oder Bar „wasserdichte“ Zeitanzeiger sind über die bereits genannten Bereiche hinaus auch bei Wassersportarten wie Schwimmen oder Schnorcheln einsatzbereit. So braucht man etwa die moderne Jaguar Spezial Edition Swiss Made Herrenuhr J681-1 im schwarzen Design mit Kautschukarmband nicht abzulegen, wenn man sich ins kühle Nass begibt.

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Armbanduhren mit einer Wasserdichtigkeit von 20 ATM gelten bereits als Taucheruhren. Freitauchen in geringer Tiefe ist unter anderem mit der schlichten Traser H3 Professional Outdoor Pioneer Uhr 102905, die mit dunklem Silikonarmband daherkommt, möglich.

Darüber hinaus stehen mehrere bis 100 oder gar 200 ATM „wasserdichte“ Modelle zur Verfügung. Carucci und Chris Benz sind zwei bekannte Marken, die einige Taucheruhren für tiefergehende Unterwasserabenteuer anbieten.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Auf die Hochwertigkeit „wasserdichter“ Uhren namhafter Hersteller kann man sich verlassen. Nichtsdestotrotz ist die beim Kauf eines Zeitanzeigers angegebene Wasserdichtigkeit keine bleibende Eigenschaft. Die elastischen Dichtungen altern und werden mit der Zeit (und dem Gebrauch der Uhr) spröde und durchlässig. Aus diesem Grund sollte man den Dichtigkeitszustand einer „wasserdichten“ Uhr regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls einen Dichtungswechsel vornehmen lassen.

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Bei Taucheruhren mit hoher Wasserdichtigkeit empfiehlt sich eine jährliche Kontrolle, bei anderen „wasserdichten“ Modellen genügt ein Check alle zwei Jahre. Übrigens ist eine Uhr nach dem Kontakt mit Salzwasser mit Süßwasser abzuspülen. So werden aggressive Salze entfernt und Korrosionen vermieden.

Die Wasserdichtigkeit ist kein Preisindikator

Bei der Wasserdichtigkeit handelt es sich zweifelsohne um eine praktische Eigenschaft von Armbanduhren. Sie kommt vor allem jenen Personen zugute, die sich gerne im Wasser aufhalten, ohne dabei die Zeit vergessen zu wollen. Doch eine Frage des Preises ist das Charakteristikum nicht unbedingt. Teure Schmuckuhren bedürfen keiner (stark ausgeprägten) Wasserdichtigkeit. Denn Hand aufs Herz: Wer würde schon mit einer brillantbesetzten Uhr schwimmen gehen?! Umgekehrt kann eine preisgünstige, bis 15 oder 20 ATM „wasserdichte“ Taucheruhr ihren Zweck wunderbar erfüllen.