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Zwischen Dennison und Timex

« Aufstieg und Fall der amerikanischen Uhrenindustrie »

Heute regieren die Schweiz, Deutschland und Japan die internationale Uhrenbranche. Doch auch Amerika wartet mit renommierten Herstellern und einer bewegten Uhrengeschichte auf – einer Uhrengeschichte, die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm und deren erstes Kapitel ein Mann namens Aaron Lufkin Dennison schrieb.

Ein Uhrmacher wie aus dem Bilderbuch

Aaron Lufkin Dennison erblickte am 6. März des Jahres 1812 in Freeport (Maine) das Licht der Welt. Während sein Vater Andrew die Schuhmacherei und Musiklehre ausübte, zog es Aaron Lufkin früh zur Kunst der Uhrenherstellung. Die dreijährige Ausbildung zum Uhrmacher absolvierte der junge Aaron bei James Cary, ehe er 1833 nach Boston übersiedelte, um dort seinem erlernten Handwerk nachzugehen. Im Zuge seiner praktischen Erfahrungen mit Zeitanzeigern entdeckte Aaron Lufkin Ungenauigkeiten in der Fertigung handgemachter Uhren. Das „Problem“ ließ ihm keine Ruhe. Er wollte die Uhrenherstellung auf das schon damals beeindruckende Präzisionslevel der Waffenproduktion heben.

Ideen über Ideen – und eine kleine Revolution

1839 verbrachte der angehende Uhrenpionier einige Monate bei Schweizer Uhrmachern, die sich in New York City niedergelassen hatten. Mit vielen neuen Erkenntnissen kehrte er nach Boston zurück, eröffnete dort ein Uhrmachergeschäft und begann, seine zahlreichen Ideen in die Tat umzusetzen. Um 1840 erfand der Amerikaner das „Dennison Combined Gauge“ – ein Instrument, das zum Vermessen von Uhrenfedern diente.

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Sein größter Coup folgte ungefähr fünf Jahre später: 1845 führte der Pionier das „Interchangeable System“ ein, das als „American System of Watch Manufacturing“ bekannt wurde. Der Clou des Systems: Es ermöglichte die serielle Massenproduktion von Uhren unter Zuhilfenahme genormter und vorgefertigter Einzelteile. So konnte die zur Herstellung einer Uhr benötigte Arbeitszeit um circa zwei Drittel reduziert werden – im Vergleich zur manuellen Einzelfertigung.

Das „American System of Watch Manufacturing“ erobert die Welt

In der Folgezeit optimierte der Tüftler sein ausgeklügeltes System und präsentierte es schließlich bei der Weltausstellung in Philadelphia im Jahr 1876 der Öffentlichkeit – schockierte Reaktionen bei Schweizer Besuchern hervorrufend. Diese begriffen, dass auch sie sich der industriellen Produktionsweise öffnen mussten, um eine Überflügelung durch die amerikanische Konkurrenz zu verhindern. Schnell breitete sich das System weltweit aus – und amerikanische Uhren wurden so etwas wie die Vorzeigemodelle für die günstige Fabrikation qualitativ hochwertiger Zeitanzeiger.

Dennisons Lebenswerk – die Waltham Watch Company

Als Aaron Lufkin Dennison sein „Interchangeable System“ lancierte, gehörte er bereits der Waltham Watch Company (zunächst Dennison, Howard & Davis Company, American Horology Company und Boston Watch Company) an. Das Uhrenunternehmen gründete er im Jahr 1850 gemeinsam mit David Davis und Edward Howard. In den 107 Jahren des Bestehens produzierte die Firma circa 40 Millionen Armband-, Wand- und Standuhren, Kompasse, Zeitzünder, Tachometer und andere Präzisionsinstrumente höchster Qualität. Tatsächlich hatte die amerikanische Uhrenindustrie ziemlich genau während der Existenz der Waltham Watch Company ihre Blütezeit.

Dennison und seine Kollegen verhalfen den Uhren aus den Staaten zu weltweitem Ansehen. Doch wie kam es, dass die US-Branche trotz der überzeugenden Vorarbeit des Pioniers und „Vaters der amerikanischen Uhrmacherei“, wie der der Vorreiter einer Industrie gerne bezeichnet wird, nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend ins Hintertreffen geriet?

Amerikanische Uhren im 20. Jahrhundert – wie eine turbulente Achterbahnfahrt

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war noch alles in Ordnung und die Geschäfte liefen rund. Klangvolle Namen wie die Waltham Watch Company, Bulova und Hamilton dominierten nicht nur große Teile des englischsprachigen Uhrenplaneten, sondern beeinflussten darüber hinaus die gesamte (internationale) Branche nachhaltig – durch fortschrittliche Fertigungsmethoden, innovative Designs und eine professionelle Vermarktung.

Nach dem Hoch folgte das Tief

Neben der verfehlten Steuer- und Importpolitik der USA und dem Missmanagement einiger Unternehmen war es vor allem die verspätete Anpassung an technologische Entwicklungen, die der amerikanischen Uhrenindustrie den Todesstoß versetzte. Die Quarzkrise, die auch die mächtige Schweizer Branche gehörig ins Wanken brachte, ließ den Großteil der US-Uhrenunternehmen sterben. Nur wenigen traditionsreichen Labels gelang es, das Tief weitestgehend unbeschadet zu überstehen.

Eines davon ist die Hamilton Watch Company, die 1957 den ersten batteriebetriebenen Zeitanzeiger sowie 1972 die erste elektronische Digitaluhr der Welt veröffentlichte und heute zur Schweizer Swatch Group gehört. Zudem fanden Timex und Ingersoll geeignete Strategien, um den Untergang zu verhindern. Schließlich kamen gegen Ende und nach der Quarzkrise neue erfolgreiche amerikanische Uhrenmarken zum Vorschein, unter anderem Fossil.

Über die wahren Helden der US-Uhrenindustrie

Unser Augenmerk richtet sich auf die Marken Timex und Ingersoll. Beide Labels entstanden bereits im 19. Jahrhundert – und erlebten dementsprechend sowohl den Aufstieg als auch den Fall der US-Uhrenindustrie unmittelbar mit.

Timex: sportlich, robust, unverkennbar

Timex wurde im Jahr 1854 als Waterbury Clock in Waterbury, der damaligen Hochburg der US-amerikanischen Uhrenhersteller, gegründet. Das Unternehmen ritt auf der Erfolgswelle, die Dennison und seine Waltham Watch Company auslösten, mit.

In Lizenz von Walt Disney fertigte die Firma 1933 die erste Micky-Maus-Uhr. Ein weiterer Meilenstein in der Historie des Labels sollte die 1950 veröffentlichte Armbanduhr „Timex“ werden: Nicht nur, dass sie dem Unternehmen seinen bis heute geltenden Namen verpasste. Die zur Vermarktung des Zeitanzeigers gestalteten Werbespots machten sowohl die Uhr als auch ihren Hersteller zu Legenden. Seither stehen Timex-Modelle für die perfekte Symbiose aus sportlichem Look und robuster Verarbeitung. Beispiele gefällig?

iq-yacht-racer-herren-chronograph-timexDer IQ Yacht Racer Herren Chronograph TW2P44400 vereint alles, was sich Liebhaber sportiver Uhren wünschen: ein modisch-lässiges Design mit leistungsstarken Funktionen, zu denen etwa der Countdown-Timer, die nachleuchtenden Zeiger und Indizes sowie die Wasserdichtigkeit bis 10 ATM zählen. classic-starlight-collection-damenuhr-timexDie gelungene Farbkombination aus Schwarz und Gold mit roten, weißen, blauen und silbernen Elementen erheben den quarzgesteuerten Zeitanzeiger und -messer, der mit einem angenehm zu tragenden Silikonarmband daherkommt, zu einem stylischen Gesamtpaket.

Dass Timex nicht nur sportlich, sondern auch elegant kann, zeigt etwa die Damenuhr T2P548 aus der Classic Starlight Collection. Sie erstrahlt von oben bis unten in edlem Gold und verzichtet auf detaillierte Indizes beziehungsweise Ziffern. Das große Ganze soll gelungen klassisch und dennoch modern wirken.

Ingersoll: zeitlose Eleganz und elegante Zeitlosigkeit

Man sagt, amerikanische Uhren seien nicht mehr typisch amerikanisch. In Anbetracht der umfassenden Einflüsse aus Europa, die US-Zeitanzeiger zweifelsohne widerspiegeln, ist diese Behauptung weitestgehend wahr.

Nichtsdestotrotz finden sich nach wie vor Modelle mit dem Esprit des Wilden Westens – unter anderem bei Ingersoll, einem Label, das von den Brüdern Robert Hawley und Charles Henry Ingersoll ins Leben gerufen wurde und seit 1892 Uhren verkauft.

caldwell-herren-automatikuhr-ingersollDie Caldwell Herren Automatikuhr IN4411CR erinnert durch das gekonnte Zusammenspiel brauner und beigefarbener Details und das Lederarmband mit Kroko-Print an Cowboys und endlos lange Ebenen der Prärie. Weitere Highlights der mechanischen Ausführung sind die blues-automatikuhr-ingersolloffene Unruh sowie die Wochentags-, Datums-, Monats- und Jahresanzeige.

Amerika repräsentiert allerdings nicht nur Wild-West-Feeling. In den großen Metropolen der Vereinigten Staaten und nicht zuletzt in Hollywood herrschen Farbenfröhlichkeit und Glitzer vor – Charakteristika, die in der Ingersoll IN4901RBR Blues Automatikuhr perfekt eingefangen sind. Das bunt schimmernde und mit Kristallsteinchen besetzte Perlmuttzifferblatt begeistert durch die offene Unruh. Für die stimmige Abrundung des Modells sorgen das vergoldete Edelstahlgehäuse und das schwarze Lederarmband.

Amerikanische Uhrenmarken wie Timex, Ingersoll, Hamilton leben!

Was für unzählige US-Uhrenfirmen das Aus bedeutete, war für zwei Labels aus den Vereinigten Staaten nicht mehr (und auch nicht weniger) als eine (schwierige) Übergangsphase: Dass Timex und Ingersoll bis heute zu den erfolgreichsten amerikanischen Uhrenmarken gehören und der Quarzkrise der 1970er- und 1980er-Jahre standhalten konnten, liegt in erster Linie daran, dass sie dem Trend folgten und die Herstellung hochwertiger Quarzuhren zeitnah forcierten.

So ist es zumindest einem Teil der bereits in der Blütezeit der amerikanischen Uhrenindustrie existierenden Unternehmen gelungen, die von Dennison eingeleitete Tradition der US-Uhrmacherkunst am Leben zu halten!